Vibecoding in Action

Für einen Kunden habe ich eine Bespoke Facade vor eine Commercial Of The Shelf Anwendung erstellt. Dabei unterliegt die Kommunikation nach hintenrum klar den API-Vorgaben und dem Datenmodell der Backend-Anwendung. Für die Frontend API will der Kunde, dass wir auf offene TMF Standards setzen. Das alleine bietet sicherlich schon einige Herausforderungen. Doch um diese geht es an dieser Stelle gar nicht.

Der API-Experte meines Kunden hat Änderungswünsche an unserem Design. Wir bekommen von ihm einen Mängelkatalog und unterhalten uns schriftlich per Mail und in ein paar Calls über die Themen. Er erbittet eine aktualisierte API Definition und fragt nach einem Liefertermin. Auf meine Antwort “bis Ende der Woche” lacht er und meint, man könne ja einfach seine Mails und die bestehenden Swagger-Definitionen an GPT geben und mit etwas hin und her prompten, hätte man die neuen APIs in einer halben Stunde.

Mal davon abgesehen, dass er uns ja durchaus auch einen Gegenvorschlag über dieses Vorgehen hätte erstellen und zukommen lassen können, entgegne ich, dass es ja nicht nur um eine Swagger File geht, sondern das Dev-Team auch die Änderungen und Hintergründe verstehen müssten. Dieses Argument wurde eingesehen.

Wie immer in Enterprise Projekten, drängen nun aber die API Consumer, dass sie am liebsten gestern die API-Definition und Beispiele bräuchten, weil sonst das Projekt blockiert sei - und der Sündenbock sind dann natürlich wir, der Hersteller.

Also doch: Eine Claude.md mit den Wünschen des Kunden, Hintergrundinformationen zur Backend-Anwendung und einigen fachlichen Rahmenbedinungen erstellt. Am Ende habe ich für den Prompt ca. 1,5 Stunden gebraucht. Anschließend musste Claude dann auch nochmal eine viertel Stunde arbeiten.

Und am Ende bleibt die Frage, ob das ganze nicht doch schneller gegangen wäre, hätte ich die Swagger-Files doch von Hand geändert… Doch es hat den Vorteil, dass ich nochmal strukturiert die bisherigen Erkenntnisse niederschreiben musste und Informationen aus Mails und Telefonaten konsolidiert habe. So entstand erstmal ein konzeptionelles Dokument, was auch Grundlage für Entwicklung, Dokumentation und Pflichtenheft werden kann.

Ich bin unentschlossen, ob der eigentliche Mehrwert nun wirklich in der Abarbeitung durch AI liegt, oder vielmehr darin, dass man im Vorfeld gezwungen ist, einen guten Arbeitsauftrag zu formulieren.