Meine Gym-Karriere
Angefangen hat alles - wie bei wohl vielen - während meines Abiturs. Man war um die 18 Jahre alt, man hatte ein paar ambitionierte Freunde und man hatte diesen jugendlichen Leichtsinn. Also haben wir uns zu Dritt im Hinterhofstudio des Nachbarortes angemeldet. Das war irgendwie der logische Kompromiss, denn dieser Nachbarort war irgendwie der Nachbarort von jedem von uns und somit genau in der Mitte zwischen allen Teilnehmern. Der Inhaber des Studios war ein ruhiger, entspannter Geselle, der uns kleinen Hitzköpfen die notwendige Ruhe, Disziplin aber auch Technik für den Kraftsport vermittelte. Zweimal die Woche waren wir dann mindestens da. Doch schon bald stieg der erste aus unserem Trio aus. Zu zweit boxten wir uns weiter durch das Eisen. Irgendwann war ich alleine. Und irgendwann verließ mich die Lust und mit dem Zivi zusätzlich die Zeit. Knapp ein Jahr hat mein erster Kontakt zum Gym gedauert und dann war auch erstmal Pause…
Nach dem Zivi kam die Ausbildung im Büro, inklusive erster eigener Wohnung. Viel Sitzen und viel Junk, da kamen dann auch ein paar Pfunde auf die Plautze (heute würde man wohl eher sagen: Skinny-Fat). Ähnlich ging es auch meinem Kumpel, mit dem ich seinerzeit auch meine erste Phase im Gym hatte. Dieser ergriff irgendwann selber die Initiative: Die Wampe muss weg, also hat er sich wieder im Fitty angemeldet. Diesmal war es das McFit. Ich begleitete ihn ein paar Mal zum Probetraining und entschloss mich schnell zur eigenen Mitgliedschaft. Mittlerweile war ich ca 24 Jahre alt, McFit mit 16 Euro Mitgliedsbeitrag ziemlich attraktiv. Wieder ging ich zwei Mal die Woche ins Studio. Anfangs noch gemeinsam mit meinem Kumpel, irgendwann verließ ihn dann abermals die Lust auf Eisen. Ich für meinen Teil war motiviert. Zum einen, weil mein Gewicht sich wieder normalisierte. Zum anderen durch das gute Marketing von McFit, was seinerzeit noch sehr Mitgliederzentriert funktionierte. Nicht zuletzt Tat mir Sport aber auch im Alltag einfach gut; es war ein stabiler Gegenpol zum Sitzen im Büro…
So ging ich nun über Jahre ins McFit. Anfangs zwei Mal die Woche, später auch gerne schon mal drei Mal. Irgendwann kam eine Zeit, da hat besagter Kumpel mich zu Halbmarathons bequatscht. In den Trainingsphasen blieb dann wenig Zeit fürs Gym. Und für mein Körpergewicht war ein intensive Mischung aus Kraftsport und Laufen auch nur bedingt zuträglich, zu schnell rutschte ich ins Untergewicht. Derweil ich irgendwann später eine gute Balance zwischen den beiden Sportarten gefunden hatte, verschob sich dann aber auch irgendwann mein Fokus und ich trainierte nach dem Norwegischen Modell: 5 mal die Woche Ganzkörpertraining.
Dann passierte irgendwann das Leben. Wir fanden unser gemeinsames Haus und zogen weg aus der Stadt. Ironischerweise in den Ort, wo auch mein erstes Gym war. Oder besser: Immer noch ist. Während der Sanierung war jedoch keine Zeit für Sport. Doch irgendwann war da wieder etwas mehr Zeit - und weiterhin der große Spaß am rostigen Eisen, an den Alltagsvorteilen für den Rücken. Also habe ich mich wieder in meinem ersten Hinterhofstudio angemeldet. Der Inhaber ist nach wie vor dieser tiefenentspannte Mensch; die Geräte sind allesamt noch die gleichen von damals: Das anachronistische Ergometer mit idylischer Bergetappe und LED-Lichtern, Gewichte mit Rost, der älter ist als ich selber. Es ist anders als McFit. Einfacher, ehrlicher. Auch die Klientel hat sich über die Jahre geändert. Wo aus den Hochzeiten noch Fotos von kräftigen Bodybuildern an den Wänden hängen, finden heute Reha-Kurse und Yoga statt. Dazwischen kann man aber immer noch gut pumpen und findet sich in einer kleinen Gemeinschaft wieder, die alle nur eines wollen: Gesund und fit sein. Und so stemme ich noch heute, glücklich bis zum Hexenschuss…
Doch in dieser kleinen Karriere als Kraftsportler hat mein eines immer begleitet: Mein eigener Körper als Endgegner. Sicherlich ist das nichts ungewöhnliches im Kraftsport, da versucht man immer besser als man selber von gestern zu sein. Bei mir ist es aber nochmal anders. Meine Schilddrüse wurde mir mit 14 Jahren entfernt; seither lebe ich mit Medikamenten. Das war für mich nie ein Problem, ich spürte keine Einschränkungen oder Besonderheiten. Seitdem ich aber wieder hier auf dem Dorf bin, hat mein neuer Hausarzt bewusst meine Medikation angepasst. Und das war ein Game-Changer für mich. Wo ich zuvor immer an der unteren Grenze zum Normalgewicht kleben blieb, beim Kraftsport immer wieder in Plateaus lief und eine magische Grenze in meiner Kraft hatte, die schier unüberwindbar schien, geht es nun langsam voran. Ich kann nun wirklich mit Doppelprogression arbeiten und werde merklich und sichtbar stärker. Doch kaum kommt diese Erkenntnis, tritt auch schon mein biologisches Alter von Links auf die Bühne und lacht hämisch; wo die Muskulatur gut auf die Belastung anspricht, sagen Gelenke und Sehnen dann doch schnell: Du bist ein alter Mann!
Da ich während meiner „Karriere“ im Kraftsport aber schon so gut wie jeden Fehler und jede Verletzung mal mitgemacht habe, bin ich da mittlerweile sehr entspannt. Dann reduziere ich halt mal die Gewichte. Ich mache das ja nicht für mein Ego. Dann überspringe ich mal eine Trainingseinheit. Ich mache das ja immer noch aus Spaß und mit Gesundheitsaspekt, nicht für einen Wettkampf oder mein Ego. Ich behalte mir Spaß an der Sache. Auch, wenn ich eben manchmal keine Lust habe, mal müde vom Alltag bin, oder eigentlich lieber etwas anderes machen würde. Am Ende hat noch niemand gesagt: „Ich habe Sport gemacht, das war nicht gut“. Und wie meinte schon mein Spirit-Animal Dori? Einfach schwimmen, schwimmen, schwimmen…